Landgericht Passau und Oberlandesgericht München billigen 90-jähriger Seniorin Entschädigung aus einer Reiserücktrittskostenversicherung zu.

Eine äußerst rüstige 90-jährige Seniorin buchte im Jahre 2009 eine Doppelkreuzfahrt durch die Karibik; eine Reiserücktrittskostenversicherung war eingeschlossen. Knapp drei Wochen vor Antritt der Reise begann die Seniorin, unter starken Hüftschmerzen zu leiden und war infolge dessen nicht mehr gehfähig. Eine stationäre konservative Behandlung mit Schmerzmitteln schlug fehl, so dass die Reise vor Antritt storniert werden musste, da eine Hüftoperation durchgeführt werden musste.

Der Versicherer lehnte Leistungen mit der Begründung ab, es liege weder ein Unfallereignis noch eine plötzlich auftretende Erkrankung vor – die Reiseaspirantin habe bereits früher unter Schmerzen gelitten, auch sei zum Beispiel bereits eine Knieoperation durchgeführt gewesen.

Das Landgericht Passau sprach der von uns vertretenen Seniorin die Erstattung der 75 % des Reisepreises betragenden Stornierungskosten zu, da die Klägerin bei Abschluss des Reisevertrages reisefähig gewesen sei. Auf frühere Erkrankungen, die bei Reisebuchung einem Reiseantritt nicht entgegen standen, weil sie versorgt waren, komme es nicht an. Die Notwendigkeit der Hüftoperation beruhe auf einer unerwartet aufgetretenen Erkrankung (Hüftkopfnekrose).

Das Oberlandesgericht München, das von dem Versicherer angerufen worden war, bestätigte im Ergebnis die erstgerichtliche Entscheidung, befand allerdings einschränkend, dass der Klägerin wohl zumutbar gewesen wäre, die Reise bereits einen Tag früher zu stornieren (dann hätten die Stornierungskosten nämlich nur 50 % betragen).

Im Interesse eines schnellen Abschlusses des Rechtsstreits und Unwägbarkeiten zu vermeiden, welche Folgen eine Verletzung der Stornierungsobliegenheit hat, schlossen wir einen Vergleich: Die Klägerin erhielt 50 % des Reisepreises erstattet!

Urteil des Landgerichts Passau vom 28.07.2011, GZ: 1 O 47/11; OLG München, GZ: 25 U 3255/11.